Spannungbogen zwischen Kunst, Architektur und Funktion

Das Kloster Unser Lieben Frauen ist das älteste erhaltene Gebäude in Magdeburg. Ihre sakrale Bedeutung haben die alten Mauern jedoch verloren. Heute ist das Kloster ein Museum für Gegenwartskunst. Nach umfangreichen Umbau- und Sanierungsarbeiten wurde das Museum nun wieder eröffnet. Eine beeindruckende Fassadeninstallation öffnet und schließt das Museum. Hinter dem Spiel von Bewegung und Spiegelung steckt eine durchdachte Konstruktion und robuste Technik. 

Die 17 großen Fenster an der Ost- und Nord-Fassade werden von eineinhalb Meter breiten und drei Meter hohen verspiegelten Paneelen verschlossen. Die Paneele öffnen sich in unterschiedlichen Winkeln und Klapprichtungen, entweder nach oben, nach unten, nach links oder nach rechts. Durch die Spiegelung der Umgebung entsteht eine interessante und faszinierende visuelle Inszenierung. Die spiegelnden Paneele refelektieren und vervielfältigen die Umgebung mit Gebäuden der Nachkriegsmoderne, die in relativer städtebaulicher Bezugslosigkeit „im Vorgarten“ des Klosterensembles errichtet wurden, und schaffen dadurch eine spannungsreiche Collage unterschiedlicher Architekturen und Wirklichkeiten. Die Brüder Tim und Jan Edler haben das Projekt namens TransReflex entwickelt und umgesetzt. Die beiden Architekten arbeiten mit Ihrer Berliner Künstlergruppe realities:united an der Schnittstelle zwischen Kunst und Architektur. Zahlreiche spektakuläre Projekte wie beispielsweise die BIX Installation am Kunsthaus in Graz haben sie bereits umgesetzt. Auch die Installation in Magdeburg spannt den Bogen zwischen Kunst und Architektur, wobei es hier nicht nur um Form, sondern auch um Funktion geht. Die verspiegelten Klappen dienen nebenbei auch als Sonnenschutz.  

Die Idee eines beweglichen Fassadenelementes ist faszinierend, aber sie muss auch technisch umgesetzt werden können. Die Realisation der Idee erwies sich als anspruchsvolle Aufgabe. Daniel Mock war als leitender Architekt bei realities:united für die Umsetzung des Projektes verantwortlich. Die massive Konstruktion eines Paneels aus Stahlrahmen, Alu-Kupond-Platten und polierten Edelstahlspiegeln  wiegt fast 300 Kilogramm. In die Fensterrahmen musste zunächst eine Stahlrahmenkonstruktion eingebaut werden, um die erforderlich Stabilität zu gewährleisten. Ein elektrischer Verstellantrieb verfährt die schweren spiegelnden Konstruktionen. Der Antrieb ist neben den Scharnieren die einzige Verbindung zwischen Gebäude und Paneele und muss eine
hohe konstruktive Stabilität aufweisen. Zum Einsatz kommt in Magdeburg der Antrieb LA36, ein besonders robuster und kräftiger elektrische Linearantrieb der Firma LINAK. Er ist in der Lage, bis zu 10.000 Newton – also eine Tonne – zu bewegen. „Es war nicht einfach, einen Antrieb zu finden, der insbesondere den hohen statischen Anforderungen des Projekts gerecht wurde. Bei der Firma LINAK haben wir schließlich das passende Produkt gefunden“, berichtet Daniel Mock. Nicht nur die Bewegung der Paneele erfordert viel Kraft. Sowohl im ausgeklappten als auch im eingeklappten Zustand müssen die riesigen Spiegel großen Windlasten Stand halten. Die Selbsthaltekraft liegt bei dem LINAK Verstellantrieb LA36 bei 13.000 Newton. Das reicht aus, um die Paneele auch bei Windstärke 8 ein- und auszuklappen. Erst wenn Windsensoren stärkeren Wind melden, bleiben die Fensterelemente geschlossen. Neben Wind sind die Antriebe Regen, Kälte und Hitze ausgesetzt. Auch hier können die LINAK Systeme ihre Vorteile ausspielen. Der LA36 erreicht im statischen Zustand die Schutzklasse IP 69K. Das bedeutet, man könnte das Bauteil auch einer Hochdruckstrahlreinigung bei hohen Temperaturen aussetzen.

Die Antriebe von LINAK bieten eine integrierte Steuerung für verschiedene BUS-Systeme. Morgens, wenn das Museum öffnet, werden die spiegelnden Paneele ausgeklappt, die Öffnungswinkel der individuellen Paneele spiegelt dabei die Lichtanforderungen der jeweils aktuellen Ausstellungen im Inneren wieder.  Abends werden die Paneele wieder geschlossen. Neben den technischen Eigenschaften des LA36 war es die enge Zusammenarbeit mit dem Unternehmen LINAK für Projektleiter Daniel Mock eine positive Erfahrung: „Die technische Hilfestellung und die Beratung durch einen LINAK-Mitarbeiter war im Projekt unerlässlich. Dank der guten Zusammenarbeit im Planungsprozess haben wir für unser Projekt die passende Lösung gefunden.“ Das Thema Fassadenverstellung mit elektrischen Linearmotoren hält Daniel Mock für ein spannendes Thema. Hier wird es für
realities:united sicherlich noch weitere Aufgaben geben. 
 
Museumsdirektorin Annegret Laabs vergleicht das Verschließen des Gebäudes gerne mit dem biblischen Bildmotiv des hortus conclusus, des verschlossenen Gartens. Die Panelle verschließen abends das Kloster und machen es zu einem abgeschiedenen Ort zur Bewahrung von gleichermaßen materiellen wie auch ideellen Schätzen. 


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